Manchmal merkt man dem Kaffee in der eigenen Tasse gar nicht an, wie viel eigentlich hinter ihm steckt. Diese Woche gab es gleich mehrere Entwicklungen aus der internationalen Kaffeewelt, die genau das zeigen – vom Ernteausfall in Kolumbien über die Rekordernte in Brasilien bis hin zur Frage, wie viel Wasser eigentlich in einer einzigen Tasse Kaffee steckt. Ich habe euch die wichtigsten News der letzten Tage mal zusammengefasst.
Kolumbiens Kaffeeernte bricht um 23 % ein
Kolumbien ist nach Brasilien der zweitgrößte Arabica-Anbauer der Welt – bekannt für milde, aromatische Sorten, wie man sie oft im Filterkaffee findet. Umso größer die Wucht dieser Zahl: Der kolumbianische Kaffeeverband (Federación Nacional de Cafeteros, FNC) meldet einen Rückgang der Erntemenge um 23 % im Vergleich zum Vorjahr – auf nur noch 1,06 Millionen 60-kg-Säcke.
Spannend dabei: Nicht die jüngste Erdbebenserie im Land gilt als Hauptursache, sondern El Niño. Das Wetterphänomen sorgt in den kolumbianischen Anbauregionen für unregelmäßige Regenfälle und höhere Temperaturen – beides schwierige Bedingungen für die empfindlichen Arabica-Pflanzen. Für uns als Kaffeetrinker:innen heißt das: Wenn ein so großer Player am Weltmarkt so stark ausfällt, spürt man das mittelfristig an den Rohkaffeepreisen – und potenziell auch an der Ladentheke.
Arabica-Lagerbestände nahe historischem Tief
Damit hängt direkt die nächste Entwicklung zusammen: Die zertifizierten Arabica-Bestände an der Warenterminbörse ICE in New York sind auf 226.242 Sack gefallen – der niedrigste Stand seit November 2023, laut Marktbeobachter:innen womöglich sogar der niedrigste seit 1999.
Was heißt das konkret? An der ICE wird Arabica-Rohkaffee gehandelt, der bestimmten Qualitätsstandards entspricht. Diese geprüften Bestände dienen quasi als globale Reserve, auf die der Handel bei Lieferengpässen zugreifen kann. Sind die Lager leer, wird der Markt besonders empfindlich für Störungen – fällt eine Ernte aus, wie gerade in Kolumbien, gibt es kaum noch Puffer. Eine Reuters-Umfrage unter Analyst:innen sieht den Arabica-Preis deshalb bis Jahresende bei rund 3 US-Dollar pro Pfund.
Brasilien erwartet Rekordernte – ein Gegenpol
Zum Glück gibt es auch eine gute Nachricht, die die Lage etwas entspannt: Brasilien, mit Abstand der größte Kaffeeproduzent der Welt, steuert für die Saison 2025/26 auf eine mögliche Rekordernte zu – rund 75 Millionen Säcke, ein Plus von 17,2 % gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür ist unter anderem der natürliche zweijährige Ertragszyklus der Kaffeepflanze (ein "On-Jahr" nach einem schwächeren "Off-Jahr"), kombiniert mit bislang günstigen Witterungsbedingungen.
Der Weltmarkt für Kaffee funktioniert wie ein großes Gefäß mit mehreren Zuflüssen: Fällt eine große Quelle aus, kann eine andere das zumindest teilweise auffangen. Ob Brasiliens Rekordernte die durch Kolumbien und die niedrigen Lagerbestände angespannte Preislage tatsächlich entschärft, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für uns Röster:innen bleibt es also spannend, wie sich die Rohkaffeepreise 2026/27 entwickeln – und das merkt man am Ende auch im Laden.
Wie viel Wasser steckt eigentlich in einer Tasse Kaffee?
Zum Schluss noch ein Thema, das mich persönlich sehr beschäftigt: Nachhaltigkeit. Wenn wir an den Wasserverbrauch unseres Kaffees denken, fällt uns meist zuerst das Wasser ein, das wir selbst beim Aufbrühen benutzen – vielleicht 200 bis 300 Milliliter pro Tasse. Der weitaus größere Teil des sogenannten "virtuellen Wasserfußabdrucks" entsteht aber schon viel früher: beim Anbau der Pflanze, bei der Verarbeitung der Kirschen (vor allem beim klassischen "Washed Process", der viel Wasser zum Waschen der Bohnen braucht) und beim Transport.
Rechnet man das zusammen, kommen Studien zum Wasserfußabdruck (unter anderem vom Water Footprint Network) auf teils über 100, manche Berechnungen sogar auf 130 bis 140 Liter Wasser pro Tasse Kaffee – eine Zahl, die die meisten Menschen überrascht. Das Coffee-Magazin Sprudge ist dieser Frage in einem aktuellen Artikel nachgegangen und ordnet ein: Die genaue Zahl hängt stark davon ab, wo und wie der Kaffee angebaut wird – Regenwasser versus künstliche Bewässerung macht zum Beispiel einen großen Unterschied. Trotzdem ein guter Denkanstoß: Nachhaltiger Kaffeeanbau, etwa schattenspendende Agroforst-Systeme, die den Boden feucht halten, oder wassersparende Verarbeitungsmethoden wie Honey- oder Natural-Process, wirkt sich nicht nur auf den Geschmack, sondern eben auch auf den ökologischen Fußabdruck unserer Tasse aus.
Mein Fazit
Diese Woche zeigt ziemlich gut, wie eng Klima, Landwirtschaft, Wasser und der Preis für unseren morgendlichen Kaffee zusammenhängen. Für mich als kleine Rösterei bedeutet das vor allem eins: genau hinschauen, woher mein Kaffee kommt, und bewusst mit der Ressource umgehen, die am Anfang jeder Tasse steht. Wenn euch solche Hintergründe interessieren, lasst es mich gerne wissen – ich nehme das Thema Nachhaltigkeit in der Kaffeekette bei Gelegenheit auch mal ausführlicher für einen eigenen Blogartikel auf.
Ansonsten: Stay Caffeinated und bis zum nächsten Mal.
Sven
- Quellen: Perfect Daily Grind (Kolumbien-Ernte, Arabica-Lagerbestände, Brasilien-Ernte), Sprudge (Wasserverbrauch).